Für unsere Gesundheit

schon 2626
Unterstützer

Mitmachen
27. Februar 2012

"Not- bzw. Gangbetten keine saisonale Erscheinung"

Quelle: Frank Täubel-Fotolia.com

Grippewelle allein versetzt Abteilungen an Wiener Spitälern noch nicht in den Notstand

"Wer glaubt, dass allein eine Grippewelle Abteilungen an Wiener Spitälern in den Notstand versetzt, irrt", so Kurt Felber, Vorsitzender der Personalvertretung am Sozialmedizinischen Zentrum Ost - Donauspital im Wiener Krankenanstaltenverbund. "Die von der Unternehmensleitung als Ausnahme der letzten Tage beschriebenen Not- oder Gangbetten treten bis auf wenige Ausnahmen das ganze Jahr über auf. So liegen dann auf einer 32 Betten Station 42 Patientinnen und Patienten - unzumutbar für das Personal und die zu versorgenden Menschen. Nun von einer kurzfristigen Erscheinung aufgrund einer Grippewelle zu sprechen, ist ein Schlag in das Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!"++++

Zusätzlich würde das zur Entlastung geschaffene interne Bettenbelagsmanagement die Probleme nur verlagern. "Meist werden die PatientInnen innerhalb von 24 Stunden auf fachfremde Abteilungen mit freien Betten verlegt. Da liegt dann eine Patientin mit Oberschenkelhalsbruch auf der Augenabteilung oder Gynäkologische Abteilung. Das zuständige ärztliche Personal muss dann seine Patientinnen und Patienten im ganzen Haus suchen. Die Gangbetten hingegen werden sofort wieder belegt." Zwar habe sich die Situation nun dramatisch zugespitzt, doch schon seit Jahren würde man den Bediensteten alles abverlangen.

"Es wird schlichtweg der letzte Saft aus den Leuten gepresst. Im September haben wir die Öffentlichkeit bereits darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Mitarbeiter die Grenze der Belastbarkeit überschritten haben. 75 Prozent der Belegschaft haben in diesem Zusammenhang ihre Streikbereitschaft erklärt. Prügelt man weiter auf uns ein, wäre das ein mehr als denkbarer Weg", erklärt der Vorsitzende des Sozialmedizinischen Zentrums-Ost.

Mit Maßnahmen gegen eventuelle Forderungen des Sparpaketes habe dies nichts zu tun. Das auch Spitalsbedienstete der unterschiedlichsten Berufsgruppen ihren Beitrag zum Sparpaket leisten müssen, ist Felber völlig klar. "Wir halten zusammen - in guten wie in schlechten Zeiten! Das Wohl der Bevölkerung und damit des Staates ist unser tägliches Geschäft. Aber seit Jahren werden die Leistungen erhöht, Betten reduziert und Personal gar nicht bis schleppend nachbesetzt. Es muss jedem klar sein, dass dies nicht auf Dauer tragbar ist. Menschlichkeit am Arbeitsplatz wird es mit Gangbetten nicht geben."

Das Wohl der Patienten aber auch der Bediensteten habe daher oberste Priorität. Felber fordert rasche Lösungen in den besonders stark belasteten Bereichen. "Entweder mehr Personal oder weniger Leistung!" Zusätzlich verlange er einen Schulterschluss aller Parteien, wenn es um die Belegschaft der Gemeindebediensteten und deren Darstellung in der Öffentlichkeit gehe. "Medizinische Versorgung auf höchstem Niveau gelingt nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen. In Krisenzeiten nach uns zu schreien und hinterrücks auf uns einzustechen ist definitiv der falsche Weg". Würde man das nicht erkennen, würden sämtliche gewerkschaftliche Maßnahmen ausgeschöpft werden, um die Belegschaft zu schützen.

Diese Seite teilen: