"Not- bzw. Gangbetten keine saisonale Erscheinung"
Grippewelle allein versetzt Abteilungen an Wiener Spitälern noch nicht in den
Notstand
"Wer glaubt, dass allein eine
Grippewelle Abteilungen an Wiener Spitälern in den Notstand versetzt, irrt", so
Kurt Felber, Vorsitzender der Personalvertretung am Sozialmedizinischen Zentrum
Ost - Donauspital im Wiener Krankenanstaltenverbund. "Die von der
Unternehmensleitung als Ausnahme der letzten Tage beschriebenen Not- oder
Gangbetten treten bis auf wenige Ausnahmen das ganze Jahr über auf. So liegen
dann auf einer 32 Betten Station 42 Patientinnen und Patienten - unzumutbar für
das Personal und die zu versorgenden Menschen. Nun von einer kurzfristigen
Erscheinung aufgrund einer Grippewelle zu sprechen, ist ein Schlag in das
Gesicht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter!"++++
Zusätzlich würde das
zur Entlastung geschaffene interne Bettenbelagsmanagement die Probleme nur
verlagern. "Meist werden die PatientInnen innerhalb von 24 Stunden auf
fachfremde Abteilungen mit freien Betten verlegt. Da liegt dann eine Patientin
mit Oberschenkelhalsbruch auf der Augenabteilung oder Gynäkologische Abteilung.
Das zuständige ärztliche Personal muss dann seine Patientinnen und Patienten im
ganzen Haus suchen. Die Gangbetten hingegen werden sofort wieder belegt." Zwar
habe sich die Situation nun dramatisch zugespitzt, doch schon seit Jahren würde
man den Bediensteten alles abverlangen.
"Es wird schlichtweg der letzte
Saft aus den Leuten gepresst. Im September haben wir die Öffentlichkeit bereits
darauf aufmerksam gemacht, dass unsere Mitarbeiter die Grenze der Belastbarkeit
überschritten haben. 75 Prozent der Belegschaft haben in diesem Zusammenhang
ihre Streikbereitschaft erklärt. Prügelt man weiter auf uns ein, wäre das ein
mehr als denkbarer Weg", erklärt der Vorsitzende des Sozialmedizinischen
Zentrums-Ost.
Mit Maßnahmen gegen eventuelle Forderungen des Sparpaketes
habe dies nichts zu tun. Das auch Spitalsbedienstete der unterschiedlichsten
Berufsgruppen ihren Beitrag zum Sparpaket leisten müssen, ist Felber völlig
klar. "Wir halten zusammen - in guten wie in schlechten Zeiten! Das Wohl der
Bevölkerung und damit des Staates ist unser tägliches Geschäft. Aber seit Jahren
werden die Leistungen erhöht, Betten reduziert und Personal gar nicht bis
schleppend nachbesetzt. Es muss jedem klar sein, dass dies nicht auf Dauer
tragbar ist. Menschlichkeit am Arbeitsplatz wird es mit Gangbetten nicht geben."
Das Wohl der Patienten aber auch der Bediensteten habe daher oberste
Priorität. Felber fordert rasche Lösungen in den besonders stark belasteten
Bereichen. "Entweder mehr Personal oder weniger Leistung!" Zusätzlich verlange
er einen Schulterschluss aller Parteien, wenn es um die Belegschaft der
Gemeindebediensteten und deren Darstellung in der Öffentlichkeit gehe.
"Medizinische Versorgung auf höchstem Niveau gelingt nur, wenn wir alle an einem
Strang ziehen. In Krisenzeiten nach uns zu schreien und hinterrücks auf uns
einzustechen ist definitiv der falsche Weg". Würde man das nicht erkennen,
würden sämtliche gewerkschaftliche Maßnahmen ausgeschöpft werden, um die
Belegschaft zu schützen.

